Akupunktur bei dem Syndrom des trockenen Auges mit Entzündung der Horn- und Bindehaut (Keratokonjunctivitis sicca)

150 Patienten mit dem Syndrom des trockenen Auges wurden zunächst nur mit Augentropfen und anschließend achtmal mit Akupunktur oder mit täglichen Gaben des pflanzlichen Mittels Qiju ganlu Yin (Süßer-Tau-Trank mit Lycium-Beeren und Chrysanthemenblüten) behandelt. Die Akupunkturpunkte waren die augennahen Punkte S1/Ma1 (chengqi) und V2/Bl2 (cuanzhu) sowie F20/Gb20 (fengchi) und Ex-2/M-HN-9 (taiyang) und die drei distalen Punkte auf den Gliedmaßen L6(mi6 (sanyinjiao), IC4/Di4 (hegu) und S36/Ma 36 (zusanli). Eine Verbesserung der Symptome stellte sich bei 88 Prozent der Patienten der Akupunkturgruppe ein, in der nur mit Augentropfen behandelten Gruppe war dies nur bei 72 Prozent der Fall. Außerdem gingen in der Akupunkturgruppe die Rötung sowie die entzündlichen Zytokinewerte in der Tränenflüssigkeit stärker zurück. Mit Arzneimitteltherapie ließen sich keine weiteren Verbesserungen erzielen als mit Augentropfen allein.

(Acupuncture and herbal formulation compared with artificial tears alone: evaluations of dry eye symptoms and associated tests in randomized clinical trial, BMJ Open Ophthalmologie, 18. Juni 2018, 3(1):e000150)

 

Akupunktur reduziert Schmerzen nach Brustkrebstherapie deutlich

Amerikanische Onkologen behandelten 226 Brustkrebs-Patientinnen, die Aromatase-Hemmer erhielten, sechs Wochen lang zweimal wöchentlich und dann noch einmal sechs Wochen lag einmal wöchentlich entweder mit echter Akupunktur oder mit Scheinakupunktur oder gar nicht. Hierbei zeigte sich in der Akupunkturgruppe eine statistisch signifikante Wirkung, die stärker war als die von den anderen Gruppen oder von Antidepressiva. Außerdem hielt die Wirkung der Akupunkturbehandlung auch 24 Wochen nach Behandlungsende an.
Large study suggests acupuncture could help women stick with unpleasant cancer treatments, Nature 11.12.2017, 552, 157-158

 

Akupunktur aus Sicht der Hirnforschung

Prof. Dr. phil. nat. Florian Beißner, Neurowissenschaftler an der Medizinischen Hochschule Hannover

Die Akupunktur stimuliert Nerven. Dies ist eine einfache, unbestreitbare Erkenntnis, da wir das Einstechen der Akupunkturnadel meist spüren. Wie wird aus diesem Reiz aber eine therapeutische Wirkung? Hierüber forscht Prof. Dr. phil. nat. Florian Meißner, Neurowissenschaftler an der Medizinischen Hochschule Hannover am Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie. Meißner untermauert die Annahme einer primär über das Nervensystem vermittelten Akupunkturwirkung: Neueste bildgebende Studien weisen darauf hin, dass Akupunktur besonders über Hirnareale wirkt, die das autonome (vegetative) Nervensystem beeinflussen. Damit wächst das wissenschaftliche Verständnis für die Zusammenhänge der Schmerzlinderung durch Stimulation spezifischer Hirnareale mittels Akupunktur. Darüber hinaus liegen vermehrt Hinweise vor, dass die positive Wirkung der Akupunktur auf Schlaf, Blutdruck und Aktivitätszustand spezifisch zentral (über das Gehirn und Rückenmark) vermittelt wird.

Internationale Akupunkturwoche 07. bis 13.05.2018 Bad Nauheim

Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. (DÄGfA)

 

 

Unnötige Panikverbreitung, 4.5.2018

Badische Zeitung 

Freitag, 4. Mai 2018

 

Unnötige Panikverbreitung

Der Artikel beschwört Gefahren von der chinesischen Heilpflanze Evodia rutaecarpa herauf, die bis hin zum plötzlichen Herztod reichen sollen. Die experimentellen Tierversuche sind jedoch aus mehreren Gründen nicht auf die Therapiesituation beim Menschen übertragbar.

(1) Bei den Versuchen wurden ein Methanol‐Extrakt oder isolierte Reinsubstanzen verwendet, die sich stark von einer Abkochung unterscheiden, wie sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin üblich ist.

(2) In der Chinesischen Medizin ist eine leichte Toxizität dieser Arzneipflanze bekannt, daher wird sie einer spezielle Zubereitung unterzogen, die sie entgiftet. 

(3) Für die Anwendung am Menschen liegt für Evodia rutaecarpa in der Chinesischen Medizin eine umfangreiche Erfahrung von mindestens 1800 Jahren vor, sie wurde bereits im ersten Arzneibuch der Geschichte, dem Shennong Bencao Jing erwähnt.

(4) Eine chinesische Arbeit (Wang 2016) untersuchte systematisch sämtliche Veröffentlichungen der letzten 30 Jahre über Nebenwirkungen der chinesischen Arzneimittelgruppe, der Evodia rutaecarpa angehört, aus chinesischen Datenbanken und der US‐amerikanischen Pub Med. Zu Evodia rutaecarpa fanden sich gerade 2 Berichte über Nebenwirkungen. In beiden Fällen wurde die normale Dosierung überschritten. Trotzdem kam es nur zu moderaten Nebenwirkungen. Die von den Forschern angegebenen gefährlichen Herzrhythmusstörungen wurden nicht beobachtet, geschweige denn Todesfälle.

Bei vorschriftsmäßiger Anwendung besteht kein Grund zur Besorgnis. Die langen Erfahrungen beim Menschen sagen sehr viel mehr aus als Tierversuche mit nicht‐therapieadäquaten Substanzen oder Zubereitungen.

 

Quellen:

https://reader.elsevier.com/reader/sd/1E51F82C695A90DB9A929B02BD30B11F85A16C5D04C5AF A94D9049115FDBB416F746640912A0AE06297CEE6AB28D286E

Wang Y. [Chinese materia medica for warming the interior: Safety analysis and pharmacovigilance considerations] (Chinese). Zhonghua Zhong Yiyao Zazhi 2016;31(7):2688‐93

CTCA: Centrum für Therapiesicherheit in der Chinesischen Arzneitherapie, Center for Safety of Chinese Herab Therapy, Germany 

 

 

Akupunktur reduziert Sehnendicke bei Tennisarm

Türkische Forscher behandelten 41 Patienten mit chronischer Verdickung der Streckersehne infolge einer Epicondilitis (Tennisarm) vier Wochen lang zwei- bis dreimal wöchentlich mit Akupunktur. Hierbei verbesserten sich sowohl die Druckschmerzempfindlichkeit als auch die Sehnendicke. 

Ultrasonographic Evaluation of Acupuncture Effect on Common Extensor Tendon Thickness in Patients with Lateral Epicondylitis: A Randomized Controlled Study, J Altern Complement Med, 2017, 23(10), 819-822)

 

 

Akupunktur reduziert Stress in der Universität

Amerikanische Forscher behandelten 111 Universitätsstudenten oder -mitarbeiter, die an einer Großstadtuniversität studierten oder arbeiteten und eigenen Angaben zufolge unter hohem Stress litten, zwölf Wochen lang einmal wöchentlich mit Verum (echter) oder Sham (Schein-)-Akupunktur. Die Teilnehmer beider Gruppen berichteten von einer beträchtlichen Abnahme der Stressfaktoren, aber 12 Wochen nach Behandlungsende zeigte sich in der Gruppe mit der echten Akupunktur (Verum-Akupunktur) ein signifikant stärkerer Behandlungseffekt als in der Scheinakupunktur-Gruppe. 
Effectiveness of Acupuncture Therapy on Stress in Large Urban Collage Population, J Acupuncture Meridian Stud, 2017, 10(3), 165-70).